Tag 6

6. Tag

    • Ich glaube, beim Einschlafen im Bett hat jeder einen Arm von Rosi festgehalten. Ihr geht es gut!!
    • Heute früh im Bett lange Diskussion über die Zukunft. Bei mir haben schon wieder die trüben Gedanken Oberhand. Lothar hat die Situation folgendermaßen analysiert. Wir gehen davon aus, dass Silvia überlebt! Wenn sie erwacht, kommt es darauf an, wie!! Danach wird sie in jedem Fall, abhängig von der Schwere ihrer Verletzungen, zur Reha müssen. Wieweit sie wiederhergestellt werden kann, hängt von vielen Dingen ab, die wir jetzt noch nicht wissen. Vielleicht bleibt sie auch ein Pflegefall.
    • Also, weiter können die Gedanken nicht gehen.
    • Das Gespräch hat mir gut getan, aber beim Frühstück gab es doch gleich wieder Tränen.
    • Lothar hat in der Klinik angerufen und nach dem Gespräch sehr geweint. Mittlerweile ist das ja ein gutes Zeichen! Sie hat stabile Werte, Probleme machen nach wie vor die Elektrolyte. Wenn sie stabil bleibt, soll der Neurochirug heute entscheiden, ob der Tiefschlaf etwas abgeschwächt werden kann.
    • Nach unseren Informationen erhält Silvia zur Zeit die höchste Dosis an Schlafmitteln. Was bedeutet diese Abschwächung. Nimmt sie dann Teile ihrer Umwelt wahr, auch Schmerzen.
    • Wir rufen Mittag wieder an.
    • Bevor Sigrid kam, war ich sehr aufgeregt. Sie ist die erste, außerhalb der Familie, die uns besucht.
    • Sie hat feines Obst und Blumen mitgebracht. Wir haben viel gesprochen, bzw. ich habe viel erzählt. Es war sicher wohltuend, aber auch sehr anstrengend. Eigentlich war ich nach 1 Stunde schon total erschöpft, ich weiß nicht, ob Sigrid es gemerkt hat.
    • Trotzdem war es noch schön. Wir haben dann noch die Unterlagen wegen dem Autodiebstahl in Budapest besprochen. Sind dann zur Unfallstelle gefahren, um die letzten Reste von Silvias Auto wegzuholen. Leider war gerade zu dieser Zeit auch der Vater des Jungen an dem Baum gegenüber, der dort tödlich verunglückt war.
    • Er kam dann zu uns . als er die Blumen erneuert hatte. Erzählte uns, dass sein Sohn mit 19 Jahren dort verunglückt ist. Er war Beifahrer in einem kleinen, japanischen Auto. Zu meinem Unglück hat er uns noch erzählt, dass sein Sohn nach 14 Tagen Koma verstorben ist!!! Er war äußerlich fast unverletzt und hat auch in der Uni-Klinik gelegen. Fast alles so, wie bei Silvia. Es war sehr trostlos, ich habe dann zu Sigrid gesagt, Silvia hat den dickeren Schädel. – Schwacher Trost-
    • Na, ja, ein blöder Zufall, aber die 14 Tage geistern nun in meinem Kopf herum.
    • Mit großer Angst wieder zur Klinik. Ich glaube, es wird mit jedem Mal schwerer.
    • Wir durften gleich zum Bett , Silvia sah unverändert, evtl etwas angestrengter aus. Der Hirndruck war bei 10, der Blutdruck aber bei 150.
    • Dann kam der Arzt und hat uns gebeten, zu gehen. Sie wollten bei Silvia noch ein CT vom Kopf machen und eine andere Hirnsonde legen, um notfalls Hirnwasser zu ziehen. Von einer Lockerung des Tiefschlafs war keine Rede mehr.
    • Unser Absturz war wieder gewaltig. Verzweiflung pur.
    • Sind nach einer halben Stunde wieder zur Besuchertür und durften noch mal zum Bett. Silvia unverändert, wir sehr aufgewühlt. Für ein Gespräch mit dem Arzt hatten wir beide keine Kraft, sind dann einfach gegangen!!
    • Zwischendurch hatte ich ein Kreislaufproblem, habe mich kurz hinsetzen müssen. Wollte aber keinesfalls gehen.

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