Tag 19

19 .Tag – 09.06.2004

    • Es ist 11,35 Uhr, und es hat sich seit gestern viel ereignet. War das Leben, bevor ich es aufgeschrieben habe, auch schon so rasant und ereignisreich?? Keine Ahnung.
    • Also, ich bin gestern mitgefahren und war auch am Bett. Ich hatte gestern Vormittag noch einen Anruf von meinem ehem. Kollegen, Dr. F, der mich sehr bewegt hat. Grundtendenz des Gespräches war, dass ich Silvia nur helfe, wenn ich mir selber helfen kann. Eigentlich eine Binsenweisheit, aber sehr gut rübergebracht. Auch etwas fordernd, das hat mir offensichtlich gut getan.
    • Am Bett waren gestern auch Thomas und Meggy mit. Wir haben wieder mit der Ärztin vom Vortag gesprochen. Ich habe mir dann endlich ein Herz gefasst und sie nach Silvias Überlebenschancen gefragt : Sie ist außer Lebensgefahr!!, und das nach 17 Tagen Koma. Es ist wunderschön und beängstigend zugleich, weil sofort die Frage nach dem weiteren Verlauf der Genesung in den Vordergrund tritt.
    • Der kleine Luftröhrenschnitt wurde gestern gemacht und ist ohne Komplikationen erfolgt. Sie hat jetzt ihren Mund frei!!, was für sie sicher eine große Erleichterung ist. Sie hat auch den Mund gestern häufig verzogen.
    • Aber sie hat sich auch gestern 2x sehr aufgeregt, d.h., sie hat das linke Auge geöffnet, schneller geatmet, der Herzschlag ging rapide nach oben – in den Alarmbereich der Monitoranzeige- und das Beatmungsgerät hat auch Alarm gemeldet. Dazu hat sie beide Arme ca. 15 cm von der Bettdecke angehoben. Mir ist vor Angst wieder fast das Herz stehen geblieben, aber ich muss mich unbedingt daran gewöhnen, sonst bin ich ihr wirklich keine Hilfe.
    • Sie hat sich dann auch binnen kurzem wieder beruhigt und die Alarme gingen von alleine weg.
    • Vielleicht beginnt sie, sich an die letzten Sekunden vor dem Aufprall zu erinnern , ich weiß es nicht. Sie bekommt seit gestern keinerlei Schlafmittel mehr, also wird es heute noch aufregender sein.
    • Leider kann sie eben auch noch nicht sprechen, niemand weiß, was sie wirklich versteht und erkennt.
    • Meine Wünsche sind bescheiden, aber nachdem nun klar ist, dass sie leben wird, soll auch ihr Geisteszustand sich normalisieren und ihr ein akzeptables Leben sichern.
    • Ich weiß, dass sind große Wünsche, aber so ist eben der Mensch. Ein Ziel ist erreicht, und schon geht es weiter.

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