Tag 24

24.Tag – 14.06.2004

    • Seit gestern atmet Silvia wieder selbständig, hat zwar noch den Luftröhrenschnitt und den kurzen Schlauch dran, durch den sie Luft holt, aber die Beatmungsmaschine ist nicht mehr angeschlossen. War eine große Überraschung für uns. Es kamen gestern 2 Ärzte ans Bett und haben von großen Fortschritten erzählt, die Silvia gemacht hätte und das sie froh darüber sind.
    • Für mich klingt das alles sehr relativ, ich will versuchen, Silvias Zustand von gestern zu beschreiben.:
    • Sie hat keinen Verband mehr um den Kopf, d,h, wir sehen direkt die große, gezackte Narbe auf der Kopfhaut und den fehlenden halben Schädel vorn. Da das Gehirn sich mittlerweile auf Normalgröße zurückgebildet hat, fällt die Kopfhaut sichtbar nach innen.
    • Der Pulsmesser ist ab, sie bekommt keine Schlafmittel und Medikamente mehr.
    • Die Ernährung erfolgt weiterhin durch die Nasensonde, sie hat noch den Blasenkatheder.
    • Das rechte Auge ist vom Lid verdeckt, welches auch nicht auf geht und später wahrscheinlich kaum oder keine Sehkraft hat. Das linke Auge ist offen, bewegt sich normal hin und her, die Pupille weitet und verengt sich. Inwieweit Silvia hier sehen kann und mit welcher Qualität, ist noch nicht klar!!!!!!
    • Sie bewegt sich sehr aktiv im Bett, d.h., sie bewegt die Arme, Hände und Finger, umschließt Gegenstände, auch unsere Hände und Arme und übt starken Gegendruck aus. Die linke Hand ist sehr aktiv, die Finger trommeln, schnipsen und greifen immerzu. Die rechte Hand ist auch beweglich, aber nicht so intensiv. Ob es daran liegt, dass Silvia Linkshänder ist oder die Signale links besser ankommen, ist unklar.
    • Das linke Bein bewegt sich ständig hin und her, hoch und runter, das rechte Bein leider nicht. Wir haben zwar das Gefühl, dass dort auch Signale ankommen, aber die Beweglichkeit fehlt (noch).
    • Sie bewegt sowohl den Kopf hin und her als auch den gesamten Körper, indem sie sich durchzustrecken versucht. Auch möchte sie den Oberkörper anheben, was ihr auch in kleinen Ansätzen gelingt.
    • Direkte Reaktionen auf unsere Versuche, mit ihr zu kommunizieren, sind nicht vorhanden. Ob und wie sie uns bemerkt, wissen wir nicht. Sie sieht in unsere Richtung und sieht uns auch kurzzeitig an, aber wir wissen nicht, ob sie uns oder etwas anderes erkennt. Das ist das Grauenvollste.
    • Waren gestern am Bett beide tapfer und haben fast nicht geweint. Ich creme schon 2 Tage Silvias Hände und Unterarme ein, als erste Kontaktaufnahme, wenn wir kommen. Lothar auch.  Wir hoffen, es gefällt ihr.
    • Wir hoffen, in Kreischa einen Termin mit Dr. P. zu bekommen, damit wir wissen, wie es jetzt weiter geht und welche Behandlungen Silvia bekommt. – und welche Chancen sie hat??-
    • Trauer, Verzweiflung und Trostlosigkeit überkommen mich bzw. uns immer mehr und völlig unvorbereitet. Lothar geht es heute sehr schlecht, er hat diese Nacht kaum geschlafen. Ich war am Sonnabend nach der Klinik nicht zu trösten.

Wie wird es morgen bei Silvia sein, unsere Trauer ist einfach grenzenlos.

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