Tag 28

18.06.2004- 28.Tag

    • Es ist jetzt 11 Uhr und ich sitze schon sein fast 2 Stunden am Computer. Das Wetter ist furchtbar- Wind und Regen bei Temperaturen von max. 18°C.
    • Mir geht es aber einigermaßen gut. Zunächst war gestern für mich ein aktiver und produktiver Tag, da ich doch einiges fachliches gemacht habe.
    • Dann waren wir bei Silvia. Sie lag auf der rechten Seite , durch Kissen im Rücken gestützt. Als hätten die Schwestern meine Nachtgebete erhört! Als dann die Schwester noch erzählte, dass sie Silvia in einen Spezial- Rollstuhl gesetzt hätten und eine Stunde in die Sonne gestellt, war mein Glück komplett.
    • Silvia war sehr aktiv, als wir kamen. Das linke Auge war sehr klar, allerdings gibt es immer noch keine Anzeichen, dass sie uns direkt erkennt.
    • Sie hat aber mit der linken Hand meinen Hals und meine Haare am Hinterkopf immer wieder angefasst und dran gezogen, es war einfach herrlich.
    • Sie hat auch versucht, sich mit dem Oberkörper aus dem Bett zu erheben, scheinbar hat sie das Liegen satt.
    • Ulla war auch froh, Lothar hat es wieder sehr gebeutelt, er hat große Angst vor allzu viel Optimismus, was ja leider auch berechtigt ist.
    • Heute ist nun die OP der Schädeldecke, lt. Frau Dr. L. eine der einfachsten OP. Na ja, wollen wir es hoffen.
    • Habe zu meiner Selbstberuhigung „Daumen Drücken SMS“ an Anita, Ilona, Eva und Sigrid geschrieben. Traudel , die Eltern und nat. Thomas haben wir informiert, David und Ulrike Fl. Haben angerufen. Also, Silvia, toi,toi,toi!!!!
    • Aber es gab auch wieder Negatives: Scheinbar ist der rechte Augenmuskelnerv, der für die Bewegung des Augenlides, die Motorik des Augapfels und die Verengung der Pupille zuständig ist, zerstört. Das würde lt. Ärztin bedeuten, dass das rechte Lid geschlossen bleibt!! Die Sehkraft wäre wohl da, aber was bringt das.
    • Ich habe heute früh erste Infos im Internet geholt. Ich werde heute Nachmittag Frau Prof. Sch. nach Heilmethoden fragen, dann sehen wir morgen weiter.
    • Allerdings hatten wir mal beobachtet, dass Silvia das rechte Lid zur Hälfte angehoben hatte, darüber war die Ärztin erstaunt.
    • Lothar hat auch gestern noch Hoffi angerufen, er will sich umhören.
    • Hier müssen wir alles, was machbar ist, versuchen. Sollte Silvias Genesung gelingen, ist natürlich die Beweglichkeit des rechten Auges von enormer Bedeutung.
    • Aber an dieser Stelle würde Lothar schon wieder sagen, ich gehe zu weit.
    • Wir sind uns trotzdem in sofern einig, dass wir ausschließen müssen, dass jetzt nichts versäumt wird, was später nicht mehr gut zu machen ist.
    • Ich werde mich morgen weiter drum kümmern.
    • Thomas geht heute Nachmittag wieder zum Dienst. Er hat 3 Nachtschichten zur BRN, ich hoffe, es läuft alles gut für ihn.
    • Meggy erfährt heute ihre Punkte im ABI.
    • Sigrid geht 13,30 Uhr zum Kennenlernen Gespräch zu ihrem neuen Chef. Allen beiden toi, toi.
    • Jule hat gestern in französisch eine eins gemacht und heute in Astronomie mündlich eine 3. Notendurchschnitt 2,2!! Wir freuen uns .
    • David hat sich gestern auch gemeldet, er ist gut angekommen und liegt bei Regen im Zelt.
    • Unsere Erschöpfung gestern war wieder enorm, sind 22 Uhr ins Bett.
    • Wir werden nach dem Gespräch mit Prof. Sch. nur kurz zu Silvia gehen, um zu sehen, dass alles gut verlaufen ist. Sie wird sicher schlafen.
    • Danach fahren wir doch zum Lausitzring zum Grönemeyer, ich hoffe, wir können es auch genießen.
    • Zur weiteren Genesung von Silvia mache ich mir keine Illusionen. Ich denke, dass wird ein sehr schwerer Weg, auch und vor allem, wenn Silvia wieder ansprechbar ist.
    • Mir gehen da die verschiedensten Varianten durch den Kopf, die aber alle noch nicht reif sind.
    • 21.06.2004 – 31. Tag
    • Es ist Montag, 11,30 Uhr und über das WE hat sich viel ereignet.
    • Zunächst waren wir am Freitag bei Prof. Sch., eine zierliche, aber sehr energische blonde Frau in mittleren Jahren.
    • Ich hatte meine Fragen mit und auch versucht, alle zu stellen. Das Gespräch war aus unserer Sicht soweit o.k.
    • Grundtenor ist, dass die Ärzte über Silvias Fortschritte in den letzten 3 Tagen sehr überrascht sind. Wir erfuhren zu unserem nachträglichen Entsetzen, dass ihr anfangs so gut wie keine Überlebenschancen, später dann kaum Heilungschanchen zugetraut worden. Der medizinische Bericht geht von schweren Hirnverletzungen aus.
    • Die Klinik hatte auch befürchtet, dass Silvia ins Wachkoma fällt, ein entsetzlicher Gedanke!!
    • Nach Silvias derzeitigen Potentialen befragt, haben wir erwartungsgemäß keine konkrete Antwort erhalten. Entscheidend wäre der klinische Befund, sprich, Silvias Befinden.
    • Sie meint, dass noch ein langer und schwerer Weg vor uns liegt, aber das wird uns ja täglich von irgend jemand immer wieder gesagt.
    • Sehr problematisch ist die fast wahrscheinliche Verletzung bzw. Zerstörung des rechten Augenmuskelnerves. Dieser ist für die Bewegung des Augenlides, die Rollbewegung des Augapfels und die Verengung der Pupille zuständig.
    • Die 3 genannten Funktionen werden am rechten Auge auch exakt nicht ausgeführt. Ich will aber die Hoffnung keinesfalls jetzt schon aufgeben, Silvia scheint stark zu sein.
    • Falls allerdings die Prognose zutrifft, werden wir sicher auch dafür eine einigermaßen befriedigende Lösung finden- notfalls kosmetisch- .
    • Die Sehkraft ist ja , wenn auch eingeschränkt, da. Sollte das Lid geöffnet werden, ohne , dass der Nerv wieder funktioniert, würde Silvia Doppelbilder sehen. Also müsste dass Auge kosmetisch fachgerecht abgedeckt werden.
    • Aber das Problem vertagen wir auf später.
    • Zum Schluss hat Frau Prof. Sch. überraschend geäußert, dass Silvia es „schaffen“ würde.
    • Waren dann noch kurz am Bett und haben uns Silvias wieder kompletten Schädel angesehen, ein sehr schöner Anblick!!
    • Sie hat aber noch geschlafen und wir waren durch das Gespräch schon mit unserer Kraft am Ende, so dass wir nur max. 30 min. da waren.
    • Auf dem Gang sprach mich dann Frau Dr. L. noch sehr erfreut an, um mir mitzuteilen, dass Silvia nun doch den programmierbaren Shunt erhalten hätte!!
    • Verstehe einer die Ärzte.!?
    • Sind dann gegen Lothars Wünsche zum Lausitzring gefahren. Das Konzert hat aber dann am Ende ihm besser gefallen und getan als mir. Habe es zwar nicht so direkt zugegeben, aber ich wollte schon nach der ersten Zugabe dringend weg , außerdem war ich sehr unruhig, weil das Handy im Auto lag.
    • Zum Glück gab es aber in der Klinik keine Probleme.

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