Tag 3

3.Tag: 24.05.2004
Aufwachen ist schrecklich- wieder Tränen- haben Rosi zwischen uns gelegt und festgehalten
Zeitung geholt, der Unfallbericht steht drin: Schwer verletzt :Gegen einen Baum und einen Telefonmast stieß am Sonnabend 1.05 Uhr die Fahrerin eines PKW VW Jetta(24). Sie war zwischen Moritzburg und Berbisdorf – in Höhe des Wildgeheges- in einer Linkskurve nach rechts auf den Randstreifen gekommen und hatte die Gewalt über den PKW verloren .Die Frau wurde eingeklemmt und musste durch die Feuerwehr aus dem Auto befreit werden. Sie wurde in die Uni-Klinik Dresden eingeliefert. Am PKW entstand Totalschaden.
7,00 Uhr hat Lothar in der Klinik angerufen- Silvias Zustand ist unverändert- noch keine weiteren operativen Maßnahmen- nächster Anruf gegen Mittag

Habe gegen 8,00 Uhr sms an Sigrid, Roland, Gabi und Ilona gesendet(” Silvias Zustand unverändert. Bitte betet für uns. Liebe Grüße”) – die Antworten geben Mut
Eva:” Wir sind in Gedanken bei Euch + ich habe für Silvia eine Kerze angezündet und sie muss es schaffen! Wir drücken Euch, Roland, Eva, Claudia und Carola”
Ilona: “Drücken Euch ganz fest die Daumen, dass alles gut wird .Sind in Gedanken bei Euch, Liebe Grüße, Ilona”
Sigrid: “Es ist doch ein Hoffnungsschimmer. Sorry, habe bis jetzt noch mal geschlafen. Ja, klar reden wir. Gib mir ein Zeichen, wann Dir so ist oder soll ich kommen. LG”
Gabi:” Meine Lieben, wir beten alle für Silvia, es berührt uns alle sehr und denken ständig an sie und Euch natürlich, sie muss es schaffen!! Sie wird es auch!!! Vlg ,danke”

Lothar kommt direkt aus Radeburg; war mit Rene am Unfallort und am Auto. Folgenden Ablauf hat er rekonstruiert.:
Silvia ist von der Fahrbahn mit den rechten Reifen abgekommen (ca. 1,15 m) und hat stark gegengelenkt. Der Fahrbahnrand war unbefestigt. Als die Räder wieder auf der Fahrbahn waren, hat sie die Kontrolle über das Auto verloren und ist quer über die Straße direkt auf die Gegenseite zu. Hat mit der rechten Tür den Mast umgefahren und ist ungebremst mit dem linken Träger an den Baum.
Sie war nicht angeschnallt und ist mit der rechten Kopfseite und dem Oberkörper auf das Lenkrad geprallt. Die Füße wurden im Pedalbereich eingeklemmt, so dass später die Feuerwehr sie befreien musste. Die Lehne des Fahrersitzes hat die Feuerwehr gewaltsam zurück gebogen, um Silvia Not versorgen zu können.
Alle Daten und Bilder bekommen wir noch auf einer CD.

Dann haben wir in der Klinik angerufen. Das Gehirn breitet sich weiter aus, wenn der Platz noch enger wird, muss die Schädeldecke doch geöffnet werden. Die anderen Werte sind unverändert. Das Gehirn selbst wurde auf seine elektrische Leitfähigkeit untersucht und lt. Arzt wurden keine auffälligen Funktionsstörungen festgestellt!! Wäre fast zu schön, um wahr zu sein. Wir bleiben weiter vorsichtig.
Lothar ist wieder sehr erschöpft und schläft jetzt. Danach wollen wir ein Stück rausgehen.
Habe Thomas und Meggy die Neuigkeiten überbracht und beide gedrückt.
Wenn Thomas jetzt noch Rasen mähen würde, wäre er ein Held. Aber ich werde nichts sagen und seine Entscheidung akzeptieren. Kann nicht so genau einschätzen, wie ihn dass alles mitnimmt. Bin froh, dass er heute noch da ist. Die beiden sind einfach wohltuend.

Große Angst vor der nächsten Begegnung mit Silvia, der Druck und die enorme Anspannung, was uns erwartet, ist nicht zu beschreiben-
Am Bett Erleichterung – der Hirndruck auf 1-5 gesunken, also im völligen Normalbereich- Lothar hat Angst, die Hoffnung anzunehmen, er ist sichtlich erschöpft und geht auch eher vom Bett weg. Thomas und Meggy waren wieder sehr lieb, wir haben uns über Silvias neues Bett unterhalten- ein Wunderwerk der Technik- Aufgebaut wie eine Luftmatratze, verschiedene Kammern füllen sich abwechselnd mit Luft und zurück. Außerdem ist so eine Art Rüttelgerät am Fußende, was das Bett in leichte Schwingungen versetzt. Aus unserer Sicht soll das zum einen dem Anregen der Muskulatur dienen und zum anderen dem Wundliegen begegnen.
Die Körpertemperatur war mir zu niedrig, 35,9°, aber das ist vielleicht nicht so wichtig.
Da Lothar heute nicht so stabil am Bett war, konnte ich noch ca. 10 min mit Silvia allein sein. Eine sehr intime Erfahrung, die mich auch sehr berührt hat, ursprünglich und voller Kraft. Dann kam noch die Mutti des Mitpatienten zu mir. Ihr Sohn ist am Donnerstag- also Himmelfahrt- per Kopfsprung in einem flachen Teich gelandet. Er hatte Wasser in der Lunge, auch Kopfverletzungen und einen Wirbel angebrochen. Lt. Prognose der Ärzte ist er ab dem Schulterbereich gelähmt. Ist das schlimmer als bei Silvia oder überhaupt vergleichbar????

Ach, so. Lothar hatte noch mit Roland lange telefoniert, er kommt also definitiv am WE her und kümmert sich um die Eltern, welch ein Segen!! Es ist wunderbar und tut sehr gut, wenn bei solchen entscheidenden Dingen blinde Übereinstimmung herrscht. Ich bin ihm dafür unendlich dankbar.
Lothar hat dann noch Renate angerufen, damit auch sie sich für die Eltern bereithalten kann. Sie tut es auch, was mich für die Eltern sehr freut, da sie auch Renate vertrauen.

 

Rosi ist so alt wie Silvia, bisher war sie immer Silvias Wegbegleiter.

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